Online-Game „impft“ gegen Fake News

Mit dem Spiel Bad News gegen Fake News impfinden c cam ak ukCambridge: Mit einem Online-Game wollen britische Wissenschaftler User gegen Fake News wappnen. Wer das Spiel absolviert hat, soll laut einer Studie der University of Cambridge anschließend unseriösen Info-Tricks weniger vertrauen.

 

Immunisieren gegen Fake News

Das Online-Game „Bad News“ in dem Spieler mit zweifelhaften Nachrichten Propaganda treiben, soll quasi wie eine Impfung gegen Fake News wirken. Menschen, die dank dem auch auf Deutsch verfügbaren Game geringen Dosen unseriöser Meinungsmacher-Tricks ausgesetzt wurden, zeigten sich danach weniger anfällig für Falschinformationen. Sie schätzten die Glaubwürdigkeit von Fake News im Schnitt um 21 Prozent geringer ein. Das ergab die oben bereits genannte Studie der University of Cambridge, die am 25. Juni veröffentlicht wurde.

Eine „psychologische Impfung“

Die Forschung legt nahe, dass sich Fake News schneller und weiter verbreiten als die Wahrheit, dass das Bekämpfen von Fehlinformation im Nachhinein also wie ein verlorener Kampf sein kann“, sagt Sander van der Linden, Director of the Cambridge Social Decision-Making Lab. Im Februar 2018 haben die Forscher daher das Game Bad News gestartet. Sie gingen dabei von der Annahme aus, dass Menschen, die in kleinen Dosen die Tricks hinter dem Verbreiten von Online-Falschinformation kennenlernen, darauf nicht mehr so leicht herein fallen. Das Spiel fungiere dabei „wie eine psychologische Impfung“, so van der Linden.

Tausende User haben das Game bereits probiert und der Auswertung ihrer Daten für die in „Palgrave Communications“ veröffentlichten Studie zugestimmt. Dabei hat sich gezeigt, dass Nutzer Fake News nach dem Spielen um gut ein Fünftel weniger glaubwürdig fanden als vorher. Auf ihre Einschätzung echter Nachrichten gab es keine Auswirkungen. „Wir haben festgestellt, dass schon 15 Minuten Spielen einen moderaten Effekt hat“, sagt van der Linden. Das sei vor allem in der Summe auf tausende Menschen bezogen relevant – denn es entstehe wie bei normalen Impfungen quasi eine Herdenimmunität gegen Fake News.

Breiter Schutz statt Detailkampf

Im Game lernen User beispielsweise die Taktik „Nachahmung“ kennen. Dabei geht es darum, sich auf sozialen Medien als bekannte, vertrauenswürdige Person auszugeben. Die Glaubwürdigkeit von Falschinfos, die auf diese Taktik setzen, schätzen Nutzer nachher laut der Studie im Schnitt um 24 Prozent geringer ein. Absichtlich polarisierenden Headlines trauen User nach dem Spielen immerhin zehn Prozent weniger, Diskreditierungsversuchen gegen angeblich voreingenommene legitime Nachrichtenquellen um 19 Prozent weniger. Die Glaubwürdigkeit von Verschwörungstheorien bewerten Game-Geimpfte um ein Fünftel niedriger.

Wir zielen auf Taktiken statt Ideen ab“, betont Studien-Coautor Jon Rozenbeek. „So hoffen wir, eine allgemeine ‚Impfung‘ gegen Fake News zu schaffen, statt jeder einzelnen Verschwörungstheorie oder Unwahrheit begegnen zu wollen.“ Das wäre offensichtlich effizienter, denn einmal grassierende Fehlinformationen mit tatsächlichen Fakten zu begegnen, ist bekanntlich meist ein Kampf gegen Windmühlen, egal ob es um Impfgegner, Chemtrail-Gläubige oder Scheibenweltler geht.

Foto: c cam.ac.uk

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